Pressemitteilung (2.9.2002)

   Archive und Forschung – ein fruchtbares Spannungsfeld

Der 73. Deutsche Archivtag befasst sich auch mit den Folgen des Hochwassers

Vom 17. bis 20. September findet in Trier der 73. Deutsche Archivtag statt, zu dem rund 800 Teilnehmer erwartet werden. Unter dem Rahmenthema „Archive und Forschung“ wollen sie sich mit der Rolle der Archive in ihrem Verhältnis zur Forschung, vor allem zu den historischen Disziplinen, auseinandersetzen. Einerseits ermöglichen Archive Forschung, indem sie als Dienstleister ihre Bestände für die Nutzung zur Verfügung stellen, andererseits sind sie selbst eingebunden in die Forschung. „Wir erhoffen uns von diesem Archivtag vor allem eine kritische Standortbestimmung unserer Position in der Forschungslandschaft und insbesondere auch Anregungen von außen zur Optimierung unserer Arbeit“, betont Professor Dr. Volker Wahl, der Vorsitzende des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare, der den Archivtag veranstaltet. „Wir haben deshalb“, so Wahl, „auch Vertreter der historischen Forschung gebeten, uns ihre Erfahrungen bei der Arbeit im Archiv mitzuteilen.“ Vorgesehen sind in diesem Sinne unter anderem Referate der Historiker Theo Kölzer, Bonn („Welche Erwartungen hat der Mittelalter-Historiker an die Archive?“ und Gerhardt Fouquet, Kiel („Was erwartet die Stadtgeschichtsforschung von den Archiven?“). In einer Sitzung werden die Archivare die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Archivwissenschaft und der historischen Grundlagenforschung zu den verschiedenen Quellen thematisieren, in weiteren Gesprächsrunden die Rolle der Archive im Netzwerk der Forschung, das Spannungsfeld zwischen Personenschutz und Forschungsfreiheit und die Erwartungen an die Archive als Dienstleister, wobei hier besonders Angebote im Internet zur Sprache kommen. Den Eröffnungsvortrag hält der Historiker Winfried Becker aus Passau: „Die postmoderne Geschichtstheorie und die Dokumente“.

Im Rahmen des Archivtags hält der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare auch  seine Mitgliederversammlung ab. In dieser werden die aktuellen Schäden in Archiven als Folge der Flutkatastrophe zu behandeln sein, die zum Teil von gravierendem Ausmaß – so etwa in Grimma – sind. Nachdem der Verband bereits im Internet eine Spendenaktion initiiert hat, sollen in Trier weitere Möglichkeiten der Hilfe beraten werden. „Wir müssen kollegiale Solidarität leisten“, sagt Professor Wahl.

Der deutsche Archivtag, an dem auch zahlreiche Vertreter ausländischer Archive teilnehmen, wird jährlich veranstaltet. Der VdA - Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. ist mit rund 2.200 Mitgliedern der größte Archivarsverband in Europa. In Verbindung mit der Tagung findet die Fachmesse ARCHIVISTICA statt, die für den Bereich der Archivtechnik, u.a. für EDV-Anwendung im Archiv, Mikroverfilmung und Digitalisierung sowie Konservierung und Restaurierung, zentral ist.

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