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... wenn ein Archiv Zeugnisse von der Art eines
Zeitalters aufbehalten soll, so ist es zugleich seine Pflicht, auch
dessen Unarten zu verewigen. Goethe (1795) |
Sehr verehrte Mitglieder unseres Berufs- und Fachverbandes,
liebe Archivarkolleginnen und -kollegen,
erneut
ist es ein Goethewort, das uns auf die Herausforderungen der vor uns
liegenden 365 Tage des Jahres 2003 hinweist, und uns zugleich auch auf das
alte Jahr zurückblicken läßt. Von „Unarten“ ist da die Rede, und mit
Recht.
Allerdings
wollen wir uns hier auf unser eigenes „Revier“ beschränken und nicht
das allgemeine Zeitgeschehen reflektieren. Haben wir alles richtig und auch
gut gemacht? Der VdA kann auf einen gelungenen Deutschen Archivtag in Trier
(17.-20. September 2002) verweisen, der in guter Stimmung und bei bestem
Wetter verlaufen ist. Dem Archivtag selbst hat man die Mühen der
Vorbereitung und seiner Organisation vor Ort nicht angemerkt. Die
Danksagungen dafür sind in der Mitgliederversammlung coram publico
ergangen.
Unsere
Homepage (www.vda.archiv.net)
haben wir weiter ausgebaut. Es lohnt sich also, ab und zu die Internetpräsentation
des VdA aufzurufen und zu betrachten, nicht nur, um den Neujahrsbrief des
Vorsitzenden zu lesen. Inzwischen gibt es verschiedene Online-Dienste für
die Mitglieder und die Teilnehmer an den Archivtagen. Wir sind also up to
date bzw. auf einem guten Weg.
Wir haben auch den Rückstand in der Drucklegung der Tagungsbände von den Deutschen Archivtagen nunmehr aufgeholt. Zum Jahresende hat der Versand des Protokollbandes 2001 (Cottbus) begonnen. Erstmals erhalten nun alle Mitglieder den Tagungsband des Deutschen Archivtages. Er ist mit 469 Seiten wieder sehr umfangreich und ergänzt die Archivtags-Berichterstattung in der Zeitschrift „Der Archivar“. Die Referate des Trierer Archivtages 2002 werden wie angekündigt ein Jahr danach vorliegen.
Auch das neue Verzeichnis „Archive in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und der Schweiz“ (17. Ausgabe 2002) vom Ardey-Verlag in Münster liegt inzwischen im Druck vor. Es ist besser als die Ausgabe von 2000, aber noch nicht gut genug. Es wird das Bemühen des Vorstandes sein, gemeinsam mit dem Verlag noch einmal grundlegende Fragen der Strukturierung, Gestaltung und Lektorierung dieses wichtigen Nachschlagewerkes zu beraten. Wenn erneut Unstimmigkeiten festgestellt werden, sollten sich zuerst die betroffenen Archive selbst fragen, ob sie die richtigen Angaben zur rechten Zeit geliefert haben.
Der
nächste Deutsche Archivtag in Chemnitz (30. September bis 2. Oktober 2003)
wirft schon seine Schatten voraus. Die Fachtagung ist, wie Sie aus dem im
Juli 2002 erschienenen „Call for Papers“ erfahren haben, dem aktuellen
Thema „Archive im gesellschaftlichen Reformprozeß“ gewidmet. Inzwischen
ist in Chemnitz auch der Ortsausschuß tätig, der das Rahmenprogramm
mitgestaltet. Die meiste Arbeit muß aber erst noch getan werden, bevor wir
uns dort wiedersehen. Da die Stadthalle in Chemnitz genügend Raum bietet,
kann auch die Fachmesse ARCHIVISTICA wieder in einem größeren Rahmen
stattfinden. Wir laden die traditionellen Messeteilnehmer und auch neue
Aussteller dazu herzlich ein.
Im kommenden Frühjahr bis zu den Sommerferien werden wieder die regionalen Archivtage kommunikative Bindeglieder unter unseren Mitgliedern und darüber hinaus für das gesamte Archivwesen sein. Auch einzelne Fachgruppen haben ihre traditionellen Frühjahrstagungen geplant. Die bestehenden Arbeitskreise werden nicht untätig bleiben. Besonders hinzuweisen ist auf die vom Arbeitskreis Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit initiierte Europäische Tagung für Archivpädagogik in Bocholt (19.-21. Juni 2003). Wer unsere Internetseiten verfolgt, wird den Aufruf zur Bildung eines neuen Arbeitskreises „Ausbildung von Fachangestellten“ gelesen haben. Es ist ein dringendes Erfordernis, diese neu geschaffene Ausbildungsform für den Archivarberuf in geregelte Bahnen zu lenken. Der VdA will dazu beitragen.
Wir wünschen uns ein reges Mitgliederleben zwischen den Deutschen Archivtagen. Das neue Jahr möge allen Glück und Erfolg im persönlichen Leben und im beruflichen Wirken bringen. Das schließt alle archivischen Einrichtungen und die vielen darin tätigen Archivarinnen und Archivare ein. Wie viele es eigentlich sind, weiß der VdA leider nicht, auch wenn die Geschäftsstelle manchmal danach gefragt wird. Es gibt keine Bundesstatistik zu den im deutschen Archivwesen tätigen haupt- und ehrenamtlichen Archivaren. Aber es müssen viele sein.
Wenn ich am Ende eines abgelaufenen Jahres auch auf das Ableben von zwei Mitgliedern des VdA hinweisen möchte, so nehme ich nicht die Totenehrung des kommenden Deutschen Archivtages vorweg. Am 19. Oktober 2002 verstarb in Stuttgart Prof. Dr. Gregor Richter (zuletzt Präsident der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg), der dem Vorstand des VdA von 1977 bis 1985 angehört hatte, und am 20. Oktober 2002 hatten wir den Tod unseres Rechungsprüfers Dr. Christoph J. Drüppel (Kreisarchiv Esslingen) zu beklagen. Wir werden den beiden verdienstvollen Mitgliedern ein ehrendes Andenken bewahren.
Was Goethe 1795 - seinerzeit allerdings nur auf die Zeitschrift „Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks“ bezogen - über Aufgabe und Pflicht eines Archivs gesagt hat, darf heute noch als ein für alle Archive geltendes Wort verstanden werden. Die Archive werden auch weiterhin Zeugnisse von Art und Unart ihres Zeitalters aufbewahren und sich von niemanden daran hindern lassen. Und noch einmal Goethe am Beginn des neuen Jahres: Eine Wissenschaft ist, wie jede menschliche Anstalt und Einrichtung, eine ungeheure Anhäufung von Wahrem und Falschem, von Freiwilligem und Notwendigem, von Gesundem und Krankhaftem.
Gesundheit und persönliches Wohlergehen im Jahr 2003 wünscht Ihnen aus Weimar ganz herzlich der Vorsitzende des VdA
Prof. Dr. Volker Wahl