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VdA - Verband deutscher
Archivarinnen und Archivare e.V.
VdA - 20.02.2014

Gedächtnis der Verwaltung oder Kulturbetrieb?

Fulda. Die Regierung des Freistaats Thüringen beabsichtigt im Rahmen der Reform der Landesverwaltung einen Zusammenschluss der sechs bisher selbständigen Staatsarchive zu einem Landesarchiv. Sie folgt damit dem Beispiel der übrigen Bundesländer.

Die Archivstandorte sollen dabei erhalten bleiben. Weiter ist beabsichtigt, das staatliche Archivwesen in Gestalt des künftigen Landesarchivs in ein Landesamt für Archivverwaltung, Denkmalpflege und Archäologie Thüringen einzugliedern. Diesen Schritt ist lediglich Mecklenburg-Vorpommern gegangen. Andere Länder wie Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz haben die organisatorischen und vor allem rechtlichen Probleme, die sich aus solch einer Konstruktion ergeben, schließlich von diesem Schritt abgehalten. In den Niederlanden nahm man Ende 2013 von dem Plan wieder Abstand, das staatliche Archivwesen und das Bibliothekswesen miteinander zu verbinden. Die sich abzeichnenden Probleme überwogen auch hier ganz deutlich gegenüber den erhofften Synergieeffekten.

Zu verweisen ist bei den Thüringer Reformplänen auf die „Systemrelevanz“ eines eigenständigen Archivwesens namentlich für ein demokratisches Staatswesen, wie sie Heribert Prantl 2011 bei seiner Eröffnungsrede zum 81. Deutschen Archivtag in Bremen postulierte. Öffentliche Archive sind in erster Linie Dienstleister sowohl für die Bürgerinnen und Bürger als auch für die Verwaltung. Sie sichern Quellen zur gesellschaftlichen Entwicklung, dokumentieren Verwaltungshandeln und dienen der Rechtssicherung. Erst im Ergebnis dieser Tätigkeit können sie auch im kulturellen Bereich tätig werden.

In einer gemeinsamen Stellungnahme an Ministerpräsidentin Lieberknecht vom 13. Januar 2014  haben sich der Bundesverband VdA, Landesverband Thüringen im VdA sowie der Landeskulturrat Thüringen gegen die Einbindung des staatlichen Archivwesens in ein kulturell ausgerichtetes Landesamt ausgesprochen. Die Historische Kommission für Thüringen schloss sich diesen Bedenken am 24. Januar 2014 an.

Seitens der Thüringer Staatskanzlei sowie des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur wurde inzwischen der Eingang des Schreibens bestätigt. Das Angebot zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung wurde aber bisher leider nicht aufgegriffen.

1. Reformkonzept 2020 der Thüringer Landesregierung

2. Medieninformation 294/2013 der Ministerpräsidentin Lieberknecht zum Konzept der Regierungskommission zur Reform der Thüringer Landesverwaltung: Die richtige Lösung für unser Land

3. Heribert Prantl: Das Gedächtnis der Gesellschaft (2011)

4. Gemeinsame Stellungnahme des Bundesverbandes VdA, des Landesverbandes Thüringen im VdA sowie des Kulturrats Thüringen vom 13. Januar 2014

5. Stellungnahme der Historischen Kommission für Thüringen vom 24. Januar 2014

6. Schreiben der Thüringer Staatskanzlei vom 23. Januar 2014

7. Schreiben des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur vom 4. Februar 2014

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