29.Landesarchivtag Mecklenburg-Vorpommern 2019

Am 18. und 19. Juni 2019 fand der 29. Landesarchivtag unter dem Motto „Umgang mit der DDR-Überlieferung“ im Zeughaus der Hansestadt Wismar statt, an dem 80 Archivarinnen und Archivare aus Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus teilnahmen.

Der Landesarchivtag wurde mit Grußworten der Landrätin des Landkreises Nordwestmecklenburg, Kerstin Weiss und des stellvertretenden Bürgermeisters der Hansestadt Wismar, Stephan Berkhan eröffnet. Im traditionell lokalhistorischen Teil nahm Dr. Nils Jörn als Leiter des Stadtarchivs die anwesenden Archivarinnen und Archivare anschließend mit auf eine Zeitreise durch die Stadtgeschichte und wagte einen Ausblick auf das 800-jährige Jubiläum der Hansestadt Wismar in zehn Jahren. Prof. Dr. Hiram Kümper von der Universität Mannheim sprach zum Wendischen Inventar als Schlüssel zur Erforschung der späten Hansezeit.

Nach diesen zwei spannenden Vorträgen wurde es interaktiv. Die Teilnehmer*innen gingen gemeinsam vom Zeughaus in das Stadtarchiv der Hansestadt Wismar und besichtigten abwechselnd die Magazine. Angesichts der herrschenden Temperaturen von 35 Grad eine willkommene Abwechslung. Es gab Stationen zu den ältesten Quellen der Stadt, zum Bereich des Sammlungsgutes und zum Bereich DDR-Archivgut und dessen konservatorischen Problemen, zur Digitalisierung und dem Projekt „Transkribus“. Jede einzelne Station für sich hielt spannende Informationen bereit.

Im Anschluss folgten Führungen durch das Landesfilmarchiv durch den zuständigen Archivar Karl-Heinz Steinbruch. Ein besonderes Highlight waren dabei mit Sicherheit die Filmvorführungen zum Thema „Wismar im Spiegel der Zeit“. Zum gemeinsamen Ausklang des ersten Tages gab es kühlende Getränke, leckeres Essen und angeregte Gespräche im Garten des Landesfilmzentrums.

Der zweite Tag begann traditionell mit der Mitgliederversammlung des Landesverbandes M-V im VdA. Schwerpunkt der diesjährigen Mitgliederversammlung waren die turnusgemäßen Vorstandswahlen. Der neue Vorstand setzt sich aus Tobias Sofka (Archiv des Landkreises Rostock), Bettina Kleinschmidt (Universitätsarchiv Rostock), Kathleen Jandausch (Landesarchiv M-V) und Kevin Nehls (Kreisarchiv Nordwestmecklenburg) zusammen.

Die Fachvorträge eröffnete Dr. Matthias Manke mit einem Beitrag zur Überlieferung des NS-Archivs des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR im Landeshauptarchiv Schwerin, eine personenbezogene Sammlung, deren Forschungspotential bisher kaum bekannt war. Claudia Retemeyer vom Stasi-Unterlagen-Archiv Schwerin ging allgemein auf die Überlieferung des Ministeriums für Staatssicherheit am Beispiel des Bezirks Schwerin ein, ihre Erschließung und Nutzung. Die Vorträge haben deutlich gezeigt, dass sich beide Archive hier sehr gut ergänzen.

Nach einer ausgiebigen Pause, die für den gemeinsamen Austausch untereinander oder mit den Archivausstellern genutzt wurde, ging es mit zwei Vorträgen zum Thema Bestandserhaltung weiter. Henrik Otto vom Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt gab einen Überblick über die konservatorischen Schwierigkeiten der DDR-Überlieferung am Beispiel der Papierqualität. Volker Janke vom Freilichtmuseum für Volkskunde in Schwerin-Mueß sprach anschließend über Schwerpunkte der Bestandserhaltung, Erschließung und Nutzung des Fotoarchivs der Schweriner Volkszeitung.

Nach der Mittagspause referierte Tobias Sofka vom Archiv des Landkreises Rostock zur „Überlieferung der Beschlüsse des Jugendhilfeausschusses des Rates des Kreises Güstrow“. Abgeschlossen wurden die Fachvorträge durch Kevin Nehls vom Kreisarchiv Nordwestmecklenburg, der über die Erarbeitung und Nutzung von Erschließungs- und Verzeichnungsrichtlinien am Beispiel des Kreisarchivs Nordwestmecklenburg sprach.

Zum Abschluss des Landesarchivtages folgte traditionell die Aktuelle Stunde. Allen anwesenden Archivarinnen und Archivaren wurde die Möglichkeit gegeben, aktuelle Themen anzusprechen. Kevin Nehls nutzte die Möglichkeit, um für die Mitgliedschaft im VdA zu werben und um über die Archivlandschaft des VdA zu berichten. Zudem informierte Jan Oestreich über die Gründung des Müther-Archivs an der Hochschule Wismar, das den beruflichen Nachlass des Architekten Ulrich Müther verwahrt und sich perspektivisch zu einem Archiv der Baukunst und Architektur der DDR entwickeln soll.