Sächsischer FaMI Informations- und Erfahrungsaustausch 2025
Bericht von Annegret Jahn-Marx.
Im Rahmen des 25. Sächsischen Archivtages in Chemnitz fand am 28.03.2025 der ebenfalls vom Landesverband Sachsen turnusmäßig organisierte FaMI-Informations- und Erfahrungsaustausch für alle sächsischen Ausbildungsarchive statt. Diesmal waren auch sächsische Archive die ausbilden wollen sowie Archivmitarbeiterinnen aus Nordrhein-Westfalen zu Gast. Außerdem konnte der Landesverband wieder die Fachlehrerin der Gutenbergschule sowie die Mitarbeiterinnen der zuständigen Stelle der Landesdirektion Sachsen begrüßen. Ganz besonders hervorzuheben ist die Teilnahme des Leiters der Landesfachstelle für Bibliotheken in Sachsen, mit der wir uns als Landesverband in einen immer enger werdenden Austausch befinden. Sind doch die Herausforderungen bei der Ausbildung der FaMI in den Fachrichtungen Archiv und Bibliothek sehr ähnlich. Leider können die Archive in Sachsen nicht auf eine institutionelle Beratungsstelle zurückgreifen, um vor allem den ländlichen Raum bei der Ausbildung zu unterstützen.
Am diesjährigen Austausch nahmen 17 Personen teil. Einen großen Teil der Veranstaltung nahm die Auswertung der Ende 2023 vom Landesverband Sachsen durchgeführten Umfrage zur FaMIAusbildung in Sachsen ein. Die Auswertungsergebnisse wurden bereits in Archiv Theorie&Praxis Ausgabe 04/24 veröffentlicht. Besonderen Eindruck hinterließ die Tatsache, dass 2/3 der befragten Archive aus unterschiedlichen Gründen gar nicht ausbilden und somit definitiv nicht dem Fachkräftemangel im mittleren Dienst entgegengewirkt werden kann. Dies bewirkt nicht erst jetzt erschreckende Lücken bei der Besetzung kleiner bzw. kleinster Archive im ländlichen Raum.
Weiteres Thema war das Neuordnungsverfahren der Berufsausbildung zur/zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Am 12.09.2024 wurde der formale Neuordnungsantrag beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gestellt. Es folgte die Konstituierung des Fachbeirates mit von den Spitzenorganisationen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite benannten Sachverständigen, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) unterstützt werden. Der Fachbeirat traf sich zu seiner ersten Sitzung am 10.12.2024. Seitens der Fachrichtung Archiv sind 8 Sachverständige aus deutschen Archiven vertreten. Darunter der vom Sächsischen Städte- und Gemeindetag benannte Dr. Paolo Cecconi vom Stadtarchiv Chemnitz. Dr. Cecconi wurde ein sächsisches Beratungsgremium an die Seite gestellt, zu welchem der Landesverband Sachsen, eine Ausbildungsberaterin sowie eine Kollegin des Staatsarchivs gehören. Dieses Gremium berät sich vor jeder Sitzung auf Bundesebene, um die sächsischen Interessen gut zu vertreten. Die neue Ausbildungsordnung soll im Ausbildungsjahr 2026/2027 in Kraft treten.
Mit Unterstützung des Leiters der Landesfachstelle für Bibliotheken wurde der erste Runde Tisch zur Ausbildung der FaMI an der Gutenbergschule am 13.03.2025 vorgestellt. An dieser Veranstaltung, zu der die Landesfachstelle eingeladen hatte, nahm u.a. neben dem SMK, der Stadt Leipzig, dem LaSuB, dem Prüfungsausschuss und der Landesdirektion Sachsen auch der Landesverband Sachsen im VdA sowie eine Ausbildungsberaterin für Archive teil. Ziel war ein Austausch zu den Vorstellungen und Wünschen aller an der Ausbildung Beteiligten für eine künftige Zusammenarbeit. In drei Workshops zu Themen wie Lernortkooperationen, Vorbereitung auf die Abschlussprüfung, Gewinnung von mehr Auszubildenden, bessere Vermarktung des Ausbildungsberufes sowie Erhöhung der Bereitschaft zur Anbietung von mehr Ausbildungsplätzen fand ein intensiver Austausch zwischen Bibliotheks- und Archivmitarbeitern sowie den beteiligten Trägern statt. Für den Archivbereich wurde regional organisierter Zusatzunterricht, eine wünschenswerte Dozententätigkeit zu Spezialthemen an der Berufsschule sowie die Teilnahme an Berufemessen herausgearbeitet. Zudem soll eine „Praktikumsund Ausbildungsplatzbörse“ auf der Homepage des Landesverbandes Sachsen entstehen, bei welcher freie Praktikumsplätze und Ausbildungsstellen in sächsischen Archiven aufgeführt und aktualisiert werden sollen. Geplant ist außerdem ein nächster Runder Tisch zum Ausbildertag an der Gutenbergschule im Januar 2026.
Von der Landesdirektion Sachsen wurden die Abschlussnoten der FaMI für die Jahre 2022 bis 2024 zur Verfügung gestellt, welche untereinander ausgewertet wurden. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Erfahrungsbericht einer Kollegin aus dem Stadtarchiv Marienberg, welche seit 2024 am ersten Kurs zur berufsbegleitenden FaMI-Ausbildung an der Fachhochschule Potsdam teilnimmt. An dieser berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahme nehmen derzeit insgesamt 5 Kolleginnen und Kollegen aus sächsischen Archiven teil. Die Rahmenbedingungen zur Bezahlung und Freistellung sind dabei sehr vielfältig. Dennoch ist die Unterstützung der Archivträger bei dieser Qualifizierungsmaßnahme hervorzuheben. Bietet sie doch den kommunalen Archiven eine Möglichkeit, fachfremdes Personal berufsbegleitend fachlich ausbilden zu lassen, um den Anforderungen des Sächsischen Archivgesetzes sowie des Landesprogramms für Bestandserhaltung Rechnung zu tragen. Ein nächster FaMI-Informations- und Erfahrungsaustausch ist wieder in zwei Jahren geplant.