Fulda / Haifa. Vom 18. bis 27. März 2011 fand auf Einladung von Michal Herkin (Israel Archives and Information Association -IAIA) das Frühjahrstreffen des Steering Committee der Section of Professional Associations (SPA) im International Council on Archives (ICA) in Israel statt.
Tagungsthema war neben anderen die Universal Declaration on Archives. Diese soll im Herbst 2011 den Rang einer UNESCO-Resolution erhalten. Für den deutschsprachigen Raum wurde vom VdA bereits eine gemeinsame Übersetzung mit den Archivorganisationen in Österreich und der Schweiz initiiert (http://www.ica.org/6573/reference-documents/universal-declaration-on-archives.html). Besprochen wurden weiterhin supranationale Hilfeleistungen in Notsituationen, die in Arbeit befindliche Übersicht zu Kompetenzanforderungen für Archivarinnen und Archivare sowie Problemfälle im archivischen Bezugsfeld, mit denen sich Human Rights Working Group des ICA beschäftigt.
Die dreitätigen Beratungen des Steering Committees in Haifa waren eingebettet in Besuchsreisen zu zahlreichen Archiven unterschiedlicher Träger und einem regen Erfahrungsaustausch mit israelischen Kolleginnen und Kollegen im ganzen Land. Da die ehemaligen türkischen Territorialherren bei ihrem Abzug die meisten Archivalien mit sich nahmen, setzt die Überlieferung durchweg erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts mit den ersten Besiedlungswellen jüdischer Einwanderer ein. Obwohl damit gerade in den Kommunalarchiven wichtige Zeugnisse für die jüdische Besiedlung des Landes und den Aufbau des Staates Israel verwahrt werden, müssen diese durchweg hart um ihre Anerkennung durch die Verwaltungen ringen. Sie waren daher auch sehr dankbar für das öffentliche Interesse, das der Besuch einer internationalen Gruppe von Archivarinnen und Archivaren hervorrief.
Beeindruckt waren die Mitglieder des Steering Committees vom Archiv der Gedenkstätte Yad Vashem. Eines der wichtigen Ziele ist es hier, mit dem Shoah Victims‘ Names Recovery Project die Millionen Opfer des Holocausts vor dem Vergessen zu bewahren und ihre Namen und Schicksale zu erforschen. Mehr als drei Millionen Namen sind derzeit bereits über eine Datenbank im Internet abrufbar. Die Ben-Gurion Heritage Institute Archives wurden mitten in der Wüste nahe dem Kibbutz errichtet, in das sich der Staatsgründer im Jahr 1953 aus dem politischen Leben zurückgezogen hatte. Hier werden überwiegend Reproduktionen seines auf zahlreiche Archive verteilten persönlichen und politischen Nachlasses zentriert. Diese werden derzeit als Digitalisate im Internet verfügbar gemacht.
Das nächste Frühjahrstreffen wird im März 2012 in Weimar stattfinden.
