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VdA - Verband deutscher
Archivarinnen und Archivare e.V.
VdA - 06.05.2013

Sitzung Steering Committee der Section of Professional Associations im ICA in Arnheim

Das Steering Committee der professionellen Archivorganisationen im ICA vor dem Neubau des Archivs der Provinz Geldern in Arnheim, der gerade bezogen wird.

Sitzung des Steering Committee der professionellen Archivorganisationen im ICA im Archiv der Provinz Geldern in Arnheim.

Fulda / Arnheim (Ein Bericht von Bernhard Post). Insgesamt 78 professionelle Archivarsverbände weltweit sind im Internationalen Archivrat (ICA) organisiert. Das halbjährige Treffen der Mitglieder des Lenkungsausschusses der Section of Professional Associations (SPA) fand vom 19. bis 23. April 2013 in Arnheim statt.

Eingeladen dorthin hatte Fred van Kan, Leiter des Archivs der Provinz Geldern in Arnheim und derzeit Vorsitzender der SPA sowie gleichzeitig Vorsitzender des „KoninklijkeVereniging van Archivarissen in Nederland“ (KVAN). Im Jahr 2012 waren einige Mitglieder turnusmäßig ausgeschieden. Großbritannien, Schweden und Australien haben zunächst keine Nachbesetzung vorgesehen.

Dafür waren in Arnheim neu dabei: Vilde Ronge als Vorsitzender „Norwegian Society of Records Managers andArchivists“ für den skandinavischen Raum, Sangmin Lee aus Südkorea, wo 2016 der internationale Kongress des ICA stattfinden wird, sowie Simon F. K. Chu, Chairman der „Hong Kong Archival Society“ und Generalsekretär von EASTICA. Polen wird nun von Piotr Zawilski vertreten, dem Leiter des Staatsarchivs in Lodz. Für die „Society of American Archivists“ (SAA) und die„Academy of Certified Archivists“ (ACA) reiste als neuer Vertreter Gregor Trinkhaus-Randall aus Boston an. Ousmane M’Baye, der Vertreter der „Association des Archivistes Français“ (AAF), ließ sich wegen einer terminlichen Verhinderung durch Charlotte Maday, vertreten, der Archivarin der Université Paris Diderot-Paris 7. Verhindert waren die neuen VertreterInnen der Archivarsorganisationen Brasiliens, Israels, Mexikos und Spaniens.

Übereinstimmend stellten die TeilnehmerInnen fest, dass die Archive und ihre Aufgaben von der Öffentlichkeit und der Politik weltweit noch immer deutlich weniger stark wahrgenommen werden als Bibliotheken. Bestrebungen, beide Einrichtungen in der Hoffnung auf eine scheinbare Kosteneinsparung zu verschmelzen, muss entgegengetreten werden. Die Zusammenfassung der Bibliotheken und Archive auf staatlicher Ebene in Kanada und den Niederlanden vor wenigen Jahren muss inzwischen – vor allem in fachlicher Hinsicht zu Lasten der Archive - als gescheitert angesehen werden.

Um die Bedeutung des Archivwesens noch deutlicher herauszuarbeiten, werden nun Grundsätze über die Rolle der ArchivarInnen in der Gesellschaft auf der Grundlage der 2011 von der Generalversammlung der UNESCO verabschiedeten Universal Declaration on Archives (UDA) entwickelt. Dabei gilt es vor allem auch, die UDA selbst noch stärker bekannt zu machen. Hierzu bieten sich vor allem die Veranstaltungen in den Archiven weltweit an. Im Umfeld solcher Veranstaltungen haben sich entsprechende Pressemeldungen als erfolgreich erwiesen.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete am 24. April 2013 ein Besuch im Stadtarchiv Amsterdam, das beeindruckende 35 Regalkilometer Archivgut verwahrt. Ebenso beeindruckend war das Archivgebäude „De Bazel“ selbst. Es wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts als Gebäude der Niederländischen Handelsgesellschaft errichtet und mit tropischen Hölzern und schweren Teppichen ausgestattet. Aber auch in diesem altehrwürdigen Rahmen ist die aktuelle Problemstellung der Digitalisierungein zentrales Thema. Bis 2015 wird die komplette Stadtverwaltung auf elektronische Vorgangsbearbeitung umgestellt sein. Mit einem ambitionierten Projekt will das Archiv bis dahin als Dienstleister für die Sicherung der Daten bereits während der behördlichen Aufbewahrungsfristen auftreten. Hierbei sind Cloud-Lösungen in Planung. Das System soll dann auch für die Nutzung durch andere Archive geöffnet werden. Weitere Vorträge der KollegInnen befassten sich mit dem Verbandswesen und der Neuordnung der Ausbildungsgänge in den Niederlanden.

Extra aus Frankreich angereist war Jean-Philippe Legois, Leiter des Archives municipales de Sevran, in seiner Funktion als Sekretär der AAF. Er warnte das Forum noch einmal deutlich vor der Gefahr, die für das Archivwesen von dem Entwurf für ein neues europäisches Datenschutzrecht ausgehen. Der ohne die Konsultation von ArchivarInnen vorbereitete Entwurf sieht vor, dass alle personenbezogenen Daten bald nach der Aufgabenerfüllung schon von den Behörden gelöscht werden. Ein Ersatz verlorener Zeugnisse wie auch die Bereitstellung von Angaben zur Rentenberechnung würde damit künftig unmöglich, von genealogischen Forschungen ganz zu schweigen (deutsche Übersetzung Pressemitteilung Association des archivistes francais).

Da der Entwurf bereits am 29. Mai 2013 beraten werden soll, ist Eile geboten. Hinweise an die örtliche Presse, die Information von Europaabgeordneten und vor allem die Teilnehme an der Unterschriftenaktion sind im Interesse aller Archive Europas dringend geboten. Dies wird vom ICA ausdrücklich unterstützt. Gefordert ist jetzt die Solidarität der „Archive ohne Grenzen“. (www.ica.org/14222/position-statements/protection-of-personal-data.html)

Das nächste Treffen des SPA Steering Committee wird in Verbindung mit der Jahrestagung des ICA zum Thema “Accountability, Transparencyand Access to Information” im Herbst 2013 im Generalstaatsarchiv in Brüssel stattfinden. Da die Teilnahme nun für alle Mitglieder des ICA offen ist, wird von einer regen Beteiligung ausgegangen.

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