

Die Heidenreich-Orgel in St. Michaelis/ Hof
Die Orgel der Gebrüder Heidenreich in St. Michaelis ist das größte erhaltene Instrument der seit 1782 in Hof ansässigen Orgelbauerfamilie. Nach dem Hofer Stadtbrand im Jahr 1823, der auch die spätgotische Michaeliskirche und das aus der Renaissance stammende Vorgängerinstrument vernichtete, erhielten die Hofer Gebrüder Heidenreich, Georg Christian und Georg Adam Friedrich, den Auftrag zum Neubau einer Orgel. In den Jahren 1828 bis 1834 wurde das Instrument mit 34 Registern auf zwei Manualen und Pedal in mechanischer Traktur vollendet. Disposition und Prospekt zeigen, dass das Instrument an der Schnittstelle vom Barock zum Biedermeier steht. Nachdem von den Silbermann-Schülern Graichen und Ritter bis 1764 die Tradition ihres Lehrherrn weiter gepflegt wurde, findet bei dem Silbermann-Enkelschüler, dem Senior Friedrich Heidenreich, und bei dessen vier Orgelbauer-Söhnen eine Neuorientierung statt. Eigenheiten fränkischer Barockorgeln, wie die chorische Verwendung von Streichern, von weiten und engen Flöten in verschiedenen Fußtonlagen dringen ein, und ein Hang zur Grundtönigkeit setzt sich durch. Aber abgesehen von diesen Veränderungen gibt es bei der Michaelis-Orgel als Kernbestand ein „Organopleno“, bestehend aus den kräftigen Prinzipalregistern des Instruments, das den Dispositionsgrundsätzen Gottfried Silbermanns noch weitgehend entspricht. Bei einem Vergleich mit größeren Silbermann-Orgeln in Reichenbach, Zittau oder Dresden (Sophien- und besonders Hofkirche) zeigt sich eine große Übereinstimmung im Klangaufbau von Haupt- und Oberwerk. Auch das Gehäuse weist barocke Stilmerkmale ebenso auf wie solche des Biedermeier. Die Heidenreichs haben den zweistöckigen Silbermann-Prospekt einer mittelgroßen Orgel lediglich klassizistisch-biedermeierlich verkleidet, wobei sie allerdings in die seitlichen Türme nicht – wie Silbermann – die tiefsten Pfeifen des Hauptwerks stellten, sondern echte Pedaltürme errichteten.
An der Heidenreich-Orgel der Michaeliskirche wurden seit ihrer Einweihung 1834 fortlaufend Änderungen vorgenommen. Der erste Eingriff erfolgte 1868 durch Orgelbauer Ludwig Weineck aus Bayreuth. Dabei wurde die nach zeitgenössischem Urteil „kreischende, raue Tonfarbe des vollen Werks“ beseitigt. Leider gingen einige Heidenreich-Register verloren, und aus den Mixturen wurden die Terzen entfernt.
Der Umbau durch die Firma Steinmeyer, Öttingen, im Jahr 1938 stand unter dem Einfluss der Orgelbewegung, die das obertönige Klangideal des Barock propagierte. Wieder fielen dieser „Restaurierung“ einige Heidenreich-Stimmen zum Opfer. Von 34 Originalregistern verblieben 23.
Der dritte Eingriff im Jahre 1967 durch die Firma Schmid aus Kaufbeuren diente der Restauration, Erweiterung und Rekonstruktion der Heidenreich-Orgel von 1834. Jetzt wurden nach der Original-Disposition Stimmen ergänzt, die von der Firma Heidenreich aus finanziellen Gründen nicht gebaut werden konnten. Auf der oberen Etage hinter dem Oberwerk wurde, im Prospekt nicht sichtbar, das Schwellwerk neu eingebaut. Dieses wird von einem dritten Manual aus gespielt, dessen Spieltraktur mechanisch ist, während die Registrierung elektrisch wirkt. Insgesamt erreichte man mit der klanglichen Umgestaltung und Erweiterung 1967 ein optimales Ergebnis. Lediglich das neu hinzugebaute Schwellwerk war nach damaligem modischen Geschmack, im Gegensatz zum dunkel timbrierten Heidenreich-Werk, sehr obertönig konzipiert.
Der vierte Eingriff, 1991 wieder vorgenommen durch die Firma Schmid, suchte im Schwellwerk bei einigen Registern durch Umstellen vorhandener Pfeifen und deren Neuintonation eine Angleichung an das grundtönige Heidenreich'sche Klangbild zu erreichen. Aus Kostengründen konnte mit der klanglichen Umgestaltung des Schwellwerks nur ein Kompromiss erzielt werden.
Im Jahr 2005 entschloss sich die Kirchengemeinde von St. Michaelis zu einer umfassenden Überarbeitung und technischen Optimierung der Heidenreich-Orgel. Im Zuge dieser Maßnahme, die die Orgelbaufirma Karl Schuke aus Berlin beispielhaft ausführte, wurde ein neuer, dem Gehäuse adäquater Spieltisch eingebaut. Das neue Schwellwerk ist im deutsch-romantischen Stil angelegt und intoniert und trägt die Klangwelt der Gebrüder Heidenreich weiter. Seit der Einweihung im Februar 2007 verfügt die Michaeliskirche nun über ein 63 Register umfassendes Instrument, das mit seinem klanglichen Charme und Farbenreichtum die Zuhörer und Besucher überzeugend anspricht.